"Niersteiner Fährtenplatten"

In den etwa 280 Millionen Jahre alten Ablagerungen aus der Rotliegend-Zeit im Zeitalter des Perm, die zwischen Nackenheim und Nierstein an der Oberfläche zutage treten, sind außergewöhnliche Funde gemacht worden. 1926 entdeckte der damalige Schüler Ernst Staiger in einem ehemaligen Steinbruch an der "Rehbacher Steig" die versteinerten Spuren einer urzeitlichen Echse. Daraufhin eingeleitete Untersuchungen und Grabungen durch das Naturhistorische Museum Mainz brachten weitere versteinerte Spuren ans Tageslicht. Zu der Ausbeute der Mainzer Wissenschaftler gehörten aber nicht nur Saurierspuren, wie man sie aus gleichaltrigen Ablagerungen von anderen Fundstellen bereits kannte, sondern auch die filigranen Fährten von Insekten. Insektenfährten waren bis dahin nur aus jüngeren Gesteinsschichten bekannt. Zu Ehren einiger Niersteiner Bürger, die diese Forschungsarbeiten der Mainzer Wissenschaftler unterstützten, wurden einige erstmals entdeckte Spurenarten nach ihnen benannt. Mit den lateinischen Namen für die Spuren, Ichnium försteri, Ichnium staigeri und Ichnium strubi, sind die Förderer in der Wissenschaft verewigt worden. In den siebziger Jahren konnten während der Flurbereinigungsarbeiten in den Weinbergen von dem Niersteiner Fossiliensammler Arnulf Stapf einige sehr schöne "Niersteiner Fährtenplatten" geborgen werden, die später von Wissenschaftlern der Universität Mainz und der Universität Halle untersucht wurden. Die eindrucksvollsten "Niersteiner Fährtenplatten" werden im Paläontologischen Museum Nierstein gezeigt.

 

Niersteiner Fährtenplatten

Insektenfährten (Lithographus niersteinensis)

aus dem Rotliegenden von Nierstein - Spurenbreite 2 cm
Original im Paläontologischem Museum Nierstein

 

Saurierspur (Amphisauropus)

aus dem Rotliegenden von Nierstein - Einzelabdruck 2,5 cm
Original im Paläontologischen Museum Nierstein

 

von Harald Stapf - 2005