Unterirdisches Nierstein

Die unterirdischen Gänge
Axel Schwarz
Ähnlich wie Oppenheim hat auch Nierstein seine „mittelalterliche Unterwelt“ besessen. Das historische Dreieck Marktplatz – Fronhof – Tempelhof mit der Martinskirche und den Adelshöfen bildete das Zentrum des unterirdischen Nierstein. Die weitläufigen ehemaligen Flucht- und Versorgungsgänge durchziehen ungeachtet der Grundstücksgrenzen als unterirdische Gänge den alten Ortskern. Sie wurden zum Schutz der Bürger angelegt, weil Nierstein keine schützende Stadtmauer besaß. Das Alter dieser Gänge reicht bis in die Karolingerzeit zurück, als in Nierstein ein Königshof bestand. Der Niersteiner Heimatforscher Ernst Förster hat in seinen Forschungen zur Geschichte diese unterirdischen Gänge untersucht und darüber berichtet.
     Unterirdisches Nierstein

Zum Untergrund gehören auch ein Wachtraum und eine Arrestzelle für Gefangene am Marktplatz im ehemaligen Adelshaus des Philipp Christoph Knebel von Katzenellenbogen. Eine Rutsche aus Stein, mit der man schnell Vorräte zu den Adelshöfen bringen konnte, ist in einem Nachbarhaus erhalten. Auch als Notrutsche für Mensch und Vieh konnte sie genutzt werden.

Die Gänge in Nierstein sind in ihrer Größe verschieden angelegt. Neben großzügigen mannshohen Fluchtwegen finden wir auch sehr niedrige Kriechgänge. Bei unseren Nachforschungen im Niersteiner Untergrund haben wir drei verschiedene Gewölbestrukturen der gemauerten Gänge vorgefunden: Decken mit einem Spitzwinkel, einer 45° Schräge oder mit einem Tonnengewölbe. In den gemauerten Gängen befinden sich neben Lüftungsschächten auch Nischen für Petroleumlampen. Die Fußböden sind als Lehmböden erhalten. Wichtige Wegkreuzungen, die verschiedene Gänge miteinander verbunden haben, befanden sich in den beiden Adelsgütern Metternichhof und Sternenfelserhof.

Heute sind die unterirdischen Gänge zum Schutz der Eigentumsrechte der Besitzer zugemauert worden. Teilweise wurden die Gänge auch aus statischen Gründen von ihren Besitzern zugeschüttet oder fielen bei Bauarbeiten der Abrissbirne zum Opfer.

GVN

Gang in 6 - 7 m Tiefe
Einstieg Fronhof
Gangbreite 0,60 - 0,70 m
Gewölbeform: Spitzwinkel

GVN

Gang in 3,50 m Tiefe
Metternichhof / Sternenfelserhof
Gangbreite 2,20 - 3,60 m
Gewölbeform: Tonnengewölbe

GVN

Gang in 3,00 m Tiefe
Fronhof => Oberdorfstraße
Gangbreite max. 1,20 m
Gewölbeform: 45° Schräge

 
GVN             

Kartenausschnitt aufgezeichnet vom Niersteiner Heimatforscher Ernst Förster.

 

Mehr über die Erforschung der Niersteiner Gänge von Ernst Förster erfahren Sie in den Niersteiner Geschichtsblättern Heft 8.

 

Teilansicht der Wegkreuzung im Metternichhof.

Aus statischen Gründen ist der Gang unter der Oberdorfstraße nur teilweise freigelegt worden
(im Bild hinten).

     
GVN
GVN
  Wichtige Wegkreuzung im Sternenfelserhof.

Arrestzelle im Untergrund am Marktplatz.

 
GVN
GVN
  Es gibt noch viel zu entdecken!