Niersteiner Geschichte

Fundstücke aus dem Archiv

Der Winzerfestumzug des Jahres 1938

In diesem Jahr wird es anlässlich des Niersteiner Winzerfestes wieder einen Festumzug geben, für den die Stadt Nierstein verantwortlich ist. Sein Motto wird die Erhebung Niersteins in den Status einer Stadt sein. Festumzüge gab es beim 1935 gegründeten Niersteiner Winzerfest schon immer. Früher in jedem Jahr. In den letzten drei Jahrzehnten stets zu besonderen Anlässen.
Vor genau 75 Jahren stand der Umzug des Jahres 1938 unter dem Motto: "Des Winzers Jahreslauf." Im Archiv des Geschichtsvereins befindet sich eine Fotosammlung von insgesamt 150 hochinteressanten Bildern, die diesen Festumzug dokumentieren. Der Schatz befand sich Jahrzehnte in Privatbesitz und wurde 2009 von Engelbert Sauter und dessen Frau dem Geschichtsverein übertragen. Vermutlich handelt es sich um die Auslage eines Fotogeschäftes, damit Interessenten Abzüge bestellen konnten.
Das Motto des Umzuges 1938 haben die Initiatoren in zahlreichen, zum Teil recht aufwändig gestalteten Motivwagen und vielen Fußgruppen umgesetzt. Einer der Hauptorganisatoren war Jakob Leineweber, der auch nach dem Zweiten Weltkrieg an der Gestaltung der Umzüge beteiligt war. Die bislang umfangreichste Bildersammlung eines Winzerfestumzuges zeigt zum Beispiel die Eisheiligen, den Herbst, die Imbs (Herbstfest am Ende der Weinlese) oder den Monat Dezember unter dem Sinnspruch: Der Dezember dem Winzer am besten gefällt: Niersteiner geht dann in alle Welt. Bei den Fußgruppen waren unter anderem die Stabauskinder, die Weinküfer und die Winzermädchen dabei.

Winzerfestumzug Nierstein 1938

Auf einem Wagen wies Nierstein selbstbewusst darauf hin: "Im Anbau edler Rebensorten, steht Nierstein vor allen andren Weinbauorten", wobei damals deutlich mehr Silvaner als Riesling angebaut wurde (Bild 1).

Fröhliche Gesichter zeigt das Bild der vielköpfigen Winzermädchengruppe (Bild 2). Dass für eine gute Ernte das Wetter mitspielen muss, wird auf einem anderen Wagen gezeigt, nicht ohne Anspielung auf die "verregnete" Nachbarstadt Oppenheim (Bild 3).

Ganz frei vom Zeitgeist der NS-Ideologie war damals weder das Eröffnungsspiel, noch das Festspiel des Winzerfestes. Genauso war es beim Umzug, in dem auch ein Wagen mitfuhr, der unmittelbar nach dem "Anschluss" Österreichs die Stärke Großdeutschland als Schirm für den deutschen Rebensaft beschwor. Auf dem Kutschbock ist rechts Jakob Leineweber zu sehen (Bild 4).

Der Umzug fand wie Bild 5 zeigt ein sehr großes Zuschauerinteresse.

Ein besonders hübsch gestalteter Festwagen (Bild 6) stand unter dem Motto: Der Weinstock sehr viel Arbeit macht, bis im Herbst die Sonne lacht."

Junge und Alte sind auf dem Wagen der Imbs versammelt, ganz vorne als Symbole des Feierns wurden "Weck, Worscht und Woi" angebracht (Bild 7).

 

Nierstein, Juli 2013