Niersteiner Geschichte

Das Sironabad

Es gibt eine Vielzahl an Funden aus der Römerzeit in Nierstein und Schwabsburg, das Fundmaterial liegt verstreut in Museen wie z.B. Mannheim, Darmstadt und Mainz. Das einzige heute noch sichtbare Zeugnis aus römischer Zeit ist das am südöstlichen Ortsausgang gelegene Sironabad, Überrest eines römischen Quellheiligtums mit zwei Schwefel- und zwei Süßwasserquellen.

Die heutige Gestalt des Sironabads entstand allerdings erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Nachdem die Schwefelquelle jahrhundertelang verschüttet war, wurde sie 1802 wiederentdeckt und für die Errichtung eines Heilbades freigelegt. Bei den Aufräumungsarbeiten stieß man u.a. auf kupferne Münzen mit den Jahreszahlen 87 bis 267 nach Christi Geburt. Sie belegen, dass die Brunnenanlage vom ersten bis zum dritten Jahrhundert (Augustus bis Postumus) in Betrieb war.

Der wichtigste Zeuge dafür, dass schon den Römern die Heilkraft der Schwefelquelle bekannt war, ist ein heute noch erhaltener Votivstein mit der Inschrift: Deo apollini et sironae iulia frontina v.s.l.l.m. (votum solvit laetus libens merito). Die deutsche Übersetzung lautet: "Dem Gotte Apollo und der Sirona erfüllte Julia Frontina ihr Gelübde freudig und nach Gebühr." Der Stein war also den beiden Gottheiten von einer Römerin als Erfüllung eines Gelübdes nach ihrer Heilung durch das Wasser errichtet worden. Sirona, eine keltische Göttin der Schönheit und Fruchtbarkeit wurde meist gemeinsam mit dem Licht- und Heilgott Apollo (keltisch Grannus) verehrt.

Der Belgier Martin van der Velden aus Chapelle bei Antwerpen pachtete 1803 die Quelle von der Gemeinde und errichtete ein neues Heilbad. Drei im Brunnengewölbe eingemauerte Steinplatten erinnern daran. Nach seinem Tod erwarb 1826 der Mainzer Stadtrat Pfeifer die Quelle und baute die Anlage noch einmal vollständig um – auf ihn geht die heutige Gestalt des Sironabads zurück.

Das Heilbad hatte indes aufgrund wirtschaftlicher und technischer Probleme nicht lange Bestand. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde das Quellwasser noch zum Bleichen von Maismehl (Maizena) industriell verwertet. Seit 1937 steht das Sironabad unter Denkmalschutz.

Geschichtsverein Nierstein e.V. Sironabad

Blick ins Sironabad.

GVN

Der römische Votivstein.

 
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Nierstein, Januar 2019